Beispiele verschiedener automemographien
Meine automemographie . An meine Familie und Freunde schriftlich auszuhändigen nach meinem Tod. Gerne auch zur Verwendung anlässlich einer Trauerfeier.
Marianne, 58 Jahre
Ausschnitt Dokument
"Mein letzter Gruß an euch. Heute stelle ich ihn in meine eigene Zukunft - für alle Fälle! Wenn ich so einigermaßen gesund bleibe, dann könnte ich mir heute, kurz nach meinem 58. Geburtstag schon noch ein viertel Jahrhundert für mich vorstellen. Drei innig mit mir verbundene Freunde sind mir in der letzten Zeit genommen worden und die Tatsache, dass das Ende oft so plötzlich und unvorbereitet kommt, wurde mir von mal zu mal fühlbarer. Wenn ihr also beschließen solltet, mir eine Abschiedsfeier auszurichten, dann wünsche ich mir, dass diese Zeilen vorgelesen werden. Mit diesem Vorspann seid ihr auch gleich gerechtfertigt, nicht dem üblichen Prozedere einer (meist erbärmlich übertriebenen Beweihräucherung) folgen zu müssen. Meine Kindheit versuchte ich immer und immer wieder aus meinen Gedanken zu verbannen, es gelingt bis heute nicht: sie war nicht gut. Meine Jugend, na ja, ich habe mir so manches geleistet, was ich bei euch, meinen Kindern, nicht geduldet habe! Das rechte Leben begann, wenn ich so zurückdenke mit dem Ende meiner Lehre. Ich hatte, auch Dank meines Lehrmeisters, der mir endlich so etwas wie eine Vaterrolle bot, das Leben begriffen und viele Türen öffneten sich mir. Ich wollte den Erfolg und gab allen Einsatz. Dass ich den Mut fand, an diesem Maitanz im Jahr 1968 teilzunehmen, zu dem mich meine Freundin Traudi schleppte, und dort dich, Mums, meinen immer noch innig geliebten Partner, Ehemann und besten Freund kennen lernte, dafür bin ich meinem Schicksal unendlich dankbar. Ich bin heute egoistisch genug, mir zu wünschen, dass ich einmal vor dir gehen darf um dich nicht zu verlieren - entschuldige bitte! Ihr alle sollt wissen, dass ich das Leben erst spät, dann aber doch heftig zu lieben gelernt habe und ich finde es wichtig, dies heute aufzuschreiben und hoffe, diese sehr positive Empfindung in ein paar Jahren immer noch zu spüren. Ich bin sehr stolz auf Dich Eva, meine Große und Dich Timmi. Manchmal hatten wir Ärger miteinander, aber dann, wenn wir uns verstanden haben und einsahen, dass auch die Auseinandersetzung wichtig ist, waren wir - sind wir doch eine ganz prima Familie..."
Ausschnitte aus der automemographie Wolfgang, 62 Jahre.
Als Film DVD und Dokument
"Wenn ich nun von Euch Abschied nehme, erinnert Euch nicht an die Tage, an denen uns dunkle Sorgen fehlender Gesundheit oder zwischenmenschlicher Unstimmigkeiten umgaben. Die Gegenwart des Schmerzes hat mich im Leben viel Atem, viel Energie, und Anstrengung gekostet. Jetzt, wo ich erstmals richtig auf der Nase lag entschied ich mich für diesen Film um einmal, wenn es dann wirklich so weit ist, mich richtig von Euch zu verabschieden. Wie bisher - habe ich mich auch diesmal wieder aufgerappelt und sehe, dass es immer wieder aufwärts geht. Dass sich die dunklen Wolken wieder verziehen. Immer war ich bereit, mich der lebhaften, aktiven Seite des Lebens neu zuzuwenden. Nach den Trennungen in meinem Leben gab es neue Begegnungen, neue Liebe, neue Herausforderung. Erinnert Euch an den Charme dieser Tage an denen wir auf unseren Gartenbänken saßen, die Sonne im Rücken und ein kühles Bier vor uns. Ich denke gern an die endlos scheinenden Diskussionen darüber, wie wir die Welt verbessern könnten....
...Mancher von Euch kannte mich vielleicht noch nicht in meiner Jugend. Ich war politisch, rebellisch und aufsässig; aber nie gewalttätig. Das Studium der Rechtswissenschaften bedeutete mir zuerst eine Notlösung - dann, na ja, ihr wisst schon, wurde doch noch ein rechter Mann mit gutem Job aus mir. Für meinen Abschied möchte ich privat bleiben. Ich möchte Eva, der Frau danken, die zur Mutter meiner Kinder wurde. Auch wenn wir uns getrennt haben, wir hatten eine herrliche Zeit zuvor. Mit den dreien Jochen, Madeleine und Denise haben wir wunderbar Gemeinsames auf das wir zu jeder Zeit auch stolz waren. Ich freue mich, dass etwas von uns weiter getragen wird in die Zukunft, in der wir nicht mehr sind. Vielleicht erlebe ich vor diesem letzten Abschied noch Enkel oder gar Urenkel, vielleicht trifft mich der Tod auch früher, dann lasst die, die nach mir kommen wissen, wie ihr Urgroßvater war: Stark im Nehmen, manchmal auch rau im Umgang mit euch, aber ich denke nie ungerecht und immer auf der Seite des erstrebenswert Guten. Schöne Autos habe ich geliebt, mehrfach Knochen gebrochen beim Skifahren am Gletscher.
Weil ich gutes Essen schon immer so schätze, besuchte ich Kochkurse und übte mich mit ausgefallenen Kreationen- dies aber erst, nachdem ich das Rührei und die Nudelsuppe auch beherrschte. Ich war nie fromm, aber gläubig. Ich kann mir schon vorstellen einmal in irgend einer Form weiter zu sein, wenn ich hier nicht mehr bin. Ich habe viele interessante Menschen im Leben kennen und schätzen gelernt und danke meinen Freunden, dass ihr es mit mir immer ausgehalten habt. Ich Danke Euch meinen Kindern - so unterschiedlich wie ihr alle drei seid, so liebte ich doch alle Kanten und Ecken an Euch, schließlich seid ihr durch meine Schule gegangen. Ich liebe Euch innig...
...Der Tod meiner besten Freundin Heike hat mich sehr getroffen. Mich hat das Düstere, bigotte Ambiente zum Abschied dieser lebenslustigen Frau tief getroffen - so wie es Ihre Familie zelebrierte, hätte Sie es nie gemocht! Das Fest zu meinem Abschied wünsche ich mir anders, fröhlicher, wahrhafter, lebendiger - eben so, wie ich mich bisher und noch heute im Leben fühle. Daher sitze ich hier vor dieser Kamera und bereite meinen Abschied vor, von dem ich hoffe, dass er in weiter Ferne liegen mag. Vielleicht bin ich dann 80 oder mehr Jahre alt. Egal, denn ihr erfahrt dann wie ich heute fühlte, heute mit 53 Jahren. Und wenn ihr meine Worte gehört habt, dann geht miteinander aus und hebt fröhlich ein Glas auf mein Wohl im Himmel.
Ich denke gerne an meine Kindheit. Von Eltern und Großeltern behütet, geliebt und gefordert durfte ich gute Schulen besuchen und schon früh viel von der Welt sehen. Ohne Geschwister wurde ich geradezu überschüttet mit allem, was ein Kind sich nur so wünschen kann. Die Schule war nicht so mein Ding, trotzdem bin ich dank ordentlicher Begabung ohne Aufhebens 13 Jahre lang so durchgekommen bis zum Abitur..."
Hilde, 58 Jahre
Auschnitt Dokument
"...Ich erinnere mich heute noch mit Schmunzeln an den Tag nach der Reifeprüfung, als ich Fred, meinen Mann kennen lernte. Ich fand ihn damals einfach unmöglich, aufdringlich und ungehobelt und habe mich dennoch oder gerade darum verliebt. Das erste Mal in meinem Leben hörte ich nicht auf den Rat meiner Eltern und heiratete ihn, den ersten besten und beide waren wir eigentlich mit gerade 18 Jahren viel zu jung. Heute kann ich sagen, ich habe es nie bereut - es ist immer noch schön mit uns, auch wenn wir leider keine Kinder haben. Unsere Pferde, unsere Hunde sind unsere Familie und unsere Freunde sind unser Leben. Fred weiß seit vier Monaten, dass er sehr krank ist, wer kann sagen, was uns noch erwartet. Wir haben beschlossen von nun an noch mehr als bisher jeden Tag voll auszuschöpfen und uns des Lebens zu erfreuen.
Dann, irgendwann, wenn mein Leben zu Ende gegangen ist, möchte ich Euch, die ihr von mir Abschied nehmt einfach sagen, es war schön mit Euch. Es war manchmal anstrengend alles zu verstehen. Ich weiß, ich war nicht immer einfach zu ertragen und möchte auch nachträglich keinen Heiligenschein. Ich weiß ich war verwöhnt und anspruchsvoll. Heute bin ich dankbar, dass ich all das erreicht habe, was ich mir in den Kopf gesetzt hatte... ...Nur die Länge unseres Lebens ist und bleibt eben eine große Unbekannte. Meine Liebe zur Natur, meine Verbundenheit zur Kreatur werde ich mitnehmen, wenn mein Körper zurückkehrt in den ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehens.
Seid gegrüßt und umarmt und stellt mir bitte keine kunstvollen Gestecke, eher ab und zu ein Sträußlein von der Wiese, auf mein Grab."